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Frischer Fisch bevorzugt

Ornithologie vom

In den gewässerreichen Landschaften Ostdeutschlands – hier besonders in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg – ist er regelmäßig anzutreffen: der Fischadler.

Sein Name ist Programm, denn die Spezialisierung auf Fisch hat sogar anatomische Anpassungen zur Folge. Im Flug oder von einer erhöhten Sitzwarte sucht der Fischadler das Gewässer ab. Je nach Region stehen dabei Karpfen, Schleien und Bleie aber auch Forellen und Hechte hoch im Kurs, mittlere Größen um 200g werden bevorzugt. Hat der Adler einen Fisch erblickt, rüttelt er über der Stelle, stürzt dann kopfüber herab und streckt kurz vor dem Zugriff die Füße nach vorn. Die relativ langen Beine und die hohe Geschwindigkeit ermöglichen es dem Vogel, Fische in bis zu einem Meter Wassertiefe zu ergreifen. Fischadler haben eine sehr bewegliche äußere Zehe, die bei Bedarf nach hinten gedreht werden kann. So kann der erbeutete Fisch besonders sicher „in die Zange genommen“ werden.

Auch Fischadler hatten lange Zeit, wie fast alle Greifvögel, unter der rigorosen Verfolgung durch den Menschen zu leiden. Selbst heute noch ist der Hass auf Greifvögel tief verwurzelt und kommt nicht selten über illegal aufgestellte Fallen und ausgelegte Giftköder zum Vorschein. Die moderne Zeit brachte noch weitere Gefahren mit sich. Besonders schwerwiegende Auswirkungen hatte der Einsatz von DDT, einem bis in die sechziger Jahre fast exzessiv angewandten Insektizid. Über den Verzehr der Beutetiere gelangten bereits konzentrierte Dosen des Giftes in den Körper des Greifvogels. Direkte Vergiftungen aber auch der Rückgang der Reproduktion durch unbefruchtete und dünnschalige Eier, welche dann während der Bebrütung zerbrachen, führten auch beim Fischadler zu dramatischen Bestandsabnahmen. Seit 1963 galt die Art in Westdeutschland als ausgestorben, östlich der Elbe waren noch rund 70 Reviere besetzt. Strenger Schutz und das Verbot des Einsatzes von DDT führten zu einer allmählichen Erholung der Bestände. 2004 brüteten wieder rund 470 Paare in Deutschland.

Horste können auf mächtigen Bäumen aber neuerdings auch auf Hochspannungsmasten stehen. In besonders geeigneten Gebieten können die recht sozialen Vögel in lockeren „Kolonien“ brüten und mehrere Hochspannungsmasten in einer Reihe mit Horsten belegen. Jungvögel werden dann sogar von mehreren verschiedenen Altvögeln versorgt. Erst mit rund vier Jahren schreiten Fischadler erstmalig zur Brut.

In Thüringen gehören Fischadlerbruten noch zu den großen Ausnahmen.

Nach der Rückkehr aus den afrikanischen Winterquartieren sind durchziehende und noch nicht geschlechtsreife Vögel aber zwischen März und Oktober an Talsperren, Kanälen oder Fischteichen zu entdecken.

Regelmäßige Beobachtungen gelingen an den Herbslebener Teichen und an den Speichern Straußfurt und Dachwig. Auch im Nationalpark Hainich wurde die Art am Silbersee nachgewiesen. Ganz aktuell rastete ein Fischadler an der Talsperre Seebach. Mit einer Flügelspannweite von mehr als 150cm und einem Gewicht bis zu 2kg zählt der Fischadler zu den besonders imposanten heimischen Greifvögeln, deren Beobachtung immer ein besonderes Erlebnis ist.

 

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Cornelia Otto-Albers

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