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Flinke Füße im Halmewald

Ornithologie vom

„Tritt mi nit, Tritt mi nit“ ruft es aus dem Brachland südlich des Steinbergs.

Es ist 21 Uhr, der Wind hat sich beruhigt. Jetzt werden die Rufe der Wachtel immer besser hörbar. In kurzen Abständen erschallen die einförmigen Gesänge zweier Männchen aus dem hohen Gras.

Der kleine Hühnervogel ist noch in einigen Feldern und Wiesen zuhause, zu Gesicht bekommt man ihn aber so gut wie nie. Vielleicht bei einem Sandbad am Rand eines Feldweges oder wenn eine Wachtel in letzter Sekunde vor den Füßen des durch die Wiese streifenden Menschen auffliegt. Obwohl sie Zugvögel sind und damit alljährlich eine beachtliche Flugleistung vollbringen, bevorzugen Wachteln die schnelle Flucht zu Fuß. Im Schutz der Krautschicht laufen sie während der Dämmerung zur Höchstform auf. Besonders im Frühsommer demonstrieren die Männchen mit unablässigem Rufen ihre Stärke und Attraktivität. Oft gibt es wesentlich mehr balzende Hähne als Weibchen, sodaß ein großer Teil der Männchen unverpaart bleibt und umherstreift. Noch im Juli erscheinen Brutvögel aus südlicheren Gebieten bei uns.

In einer flachen Mulde, die mit wenigen Pflanzenteilen ausgelegt sein kann werden in knapp drei Wochen durchschnittlich 7-13 Eier ausgebrütet. Nach wenigen Wochen sind die Jungvögel selbstständig und können bereits im selben Jahr zum ersten Mal brüten! Häufige Nestverluste durch Feinde, Feldbearbeitung oder ungünstige Witterung, führen dazu, daß noch im August und September Gelege gefunden werden können.

Der Volksmund hat den Wachteln allerlei prophetische Fähigkeiten angedichtet: gute oder schlechte Ernten, Heirat, Lebensdauer oder Regen. Verbreitet war auch die Anwendung von Wachtelprodukten gegen Krankheiten - Wachtelhirn gegen Epilepsie, Wachtelschmalz gegen Ohrreißen, Rheuma und Zahnschmerzen, Wachtelaugen gegen Fieber.

Nicht unerwähnt bleiben darf die kulinarische Bedeutung der Wachtel, auch wenn dieser Umstand dem Ornithologen eher Bauchschmerzen als Gaumenfreuden bereitet. So locken Wachteln mit Pfifferling-Reis-Füllung, Wachteln in Madeiragelee auf Spinat, Wachtelbrüstchen mit Rosmarin oder Wachteln mit Weintrauben in besonders gute Küchen. Auch das Wissen darum, daß es sich bei den servierten Vögelchen zumindest hierzulande um gezüchtete Japanische Wachteln handelt, macht es nicht unbedingt leichter.

Der Bestand der Wachteln unterliegt großen jährlichen Schwankungen, die bereits aus früheren Jahrhunderten belegt sind. Besonders starke Rückgänge in Europa nach 1960 sind insbesondere auf Lebensraumzerstörungen, intensive Landwirtschaft und hohen Jagddruck in den Durchzugsgebieten am Mittelmeer zurück zu führen.

So ist die Wachtel mit ihrem unverkennbaren „Pick-wer-wick“- Ruf von einer Charakterart der Feldflur zu einer fast seltenen Erscheinung geworden.

 

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Cornelia Otto-Albers

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