Einzelansicht

Federregen

Ornithologie vom

Die Natur nähert sich mit großen Schritten dem Beginn des Herbstes. Die Felder sind abgeerntet, das Brutgeschäft erledigt und die meisten Jungvögel sind selbstständig. Der Aufbruch in die Winterquartiere hat bereits begonnen. Viele Vögel, die jetzt unsere Hecken durchstreifen, sind durchreisende Gäste aus nördlichen Gefilden. Dorngrasmücken, Fittisse und Singdrosseln tauchen an günstigen Zugtagen massenhaft auf und sind schon 24 Stunden später wieder spurlos verschwunden. Grünfinken und Stieglitze bilden Schwärme und pendeln von einer zur nächsten ergiebigen Nahrungsquelle.
Die Zugvögel folgen ihrem Instinkt, manche zum ersten und viele zum letzten Mal.
Um die Strapazen lebend zu überstehen ist nicht nur eine gute Kondition erforderlich, sondern auch ein perfektes Federkleid. Viele Vögel wechseln deshalb die von den Anstrengungen der Brutzeit zerschlissenen und von der Sonne ausgebleichten Federn bevor es auf die wichtigste Reise ihres Lebens geht. Doch auch die, die hier bleiben, verbessern durch die Mauser ihre Flugeigenschaften.
Dabei ist der Federwechsel selbst zunächst eine erhebliche Belastung. Neue Federsubstanz muss gebildet werden, die Flugeigenschaften sind vorübergehend noch weiter eingeschränkt. Arten wie Gänse, Enten, Seetaucher und Rallen verlieren in dieser Phase die Flugfähigkeit völlig und suchen Zuflucht auf nahrungs- und deckungsreichen Gewässern. Eulen haben die erstaunliche Fähigkeit nur einzelne, abgebrochene oder abgenutzte Federn gezielt zu wechseln, sodass erst nach zwei oder drei Jahren alle wichtigen Partien einmal erneuert wurden.
Wer jetzt aufmerksam durch die Natur wandert, wird immer wieder einzelne, an bevorzugten Ruheplätzen der Vögel auch mehrere Federn auflesen können. Ob es nun so typische Gebilde sind wie die sogenannte „Erpellocke“ des Stockenten- Männchens oder die geschwungenen Schwingenspitzen des Kernbeißers, dem Spezialisten gelingt auch mancher Nachweis einer seltenen Art erst durch den Fund einer markanten Feder.

Kontakt

Ansprechpartner_in

Cornelia Otto-Albers

0361/57 3914 008