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Februar – Facetten

Ornithologie vom

Temperaturen um den Gefrierpunkt, nasser Schnee treibt über die Felder am Craulaer Kreuz. Eine sanfte weiße Hülle legt sich über die alten, ausgelaugten Grashalme, die sich unter der Last tief herunter beugen. Furchen und Löcher werden geglättet. In der Luft schwebt ein grauer Nebel aus Schneeflocken und Wasserdampf. Noch ist die seidene Haut unberührt, keine Fahrspur, keine Fußspuren. Nur hier und da haben noch am Morgen heimliche Geister ihre Fährten hinterlassen: Fuchs, Reh, Hirsch und Katze waren unermüdlich unterwegs. So belebend der frische Buchenwald im Sommer ist, so fordert das Überleben im Winter die ganze Erfahrung und manche Entbehrung.

Im Inneren des Hainichs zeichnen weiße Säume die Konturen der fast schwarz wirkenden nassen Buchenstämme nach. Nur die Regenseite setzt sich satt moosgrün ab.

Hier und da rutschen handgroße Schneefladen von den Ästen und stürzen leise klatschend auf den Boden. An der Kronenbergwiese ziehen elf Rothirsche, weibliche Tiere mit schlanken Hälsen und dichtem Winterfell, nach kurzem Sichern über den Weg in Richtung Weberstedter Holz. Vögel sind kaum zu sehen oder zu hören. Einige Gimpel fliegen entlang des Weges von Karde zu Karde. Ihre weißen Bürzel blicken im Flug wie Positionslichter. Eine Amsel stürzt sich hastig, eine Schneelawine auslösend, in die Schlehenhecke.

Je weiter der Weg in Richtung Kammerforst führt, desto nasser und dünner wird der Schnee. Unter der Decke schlängeln sich blaugraue Wasseradern, deren Ränder wie Aquarellfarben verlaufen. Am Wildkatzenkinderwald sind fast nirgendwo mehr weiße Flecken zu sehen. Rinnsale plätschern offen mal nach rechts, mal nach links. Ein Raubwürger schüttelt den Regen vom Gefieder, während er auf der Spitze eines Weißdornbusches auf Mäuse lauert, die heute auch nicht gerade gern an die Oberfläche kommen.

Erst am Hünenteich sind wieder Vögel zu hören. Kleiber, Sumpfmeisen und Buntspechte wittern das Frühjahr und trainieren ihre Stimmen, erste, aber dennoch ernstgemeinte Revieransprüche. In sechs Wochen ist Frühlingsanfang !

Als gegen Mittag sogar einige Sonnenstrahlen den Regen an der Fuchsfarm aufhellten, waren auch die Kolkraben nicht mehr zu bremsen. Ihre Balz ist in vollem Gange. Bereits Ende Februar können Eier in ihrem Nest liegen.

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Cornelia Otto-Albers

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