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Ein Nest in fünf Minuten

Ornithologie vom

Das neue Jahr begann ungewöhnlich mild und der Frühling schien zum Greifen nah. Auch die vielerorts eintreffenden Ringeltauben ließen bereits erste Balzrufe durch die kahlen Buchenwälder klingen.
Mit bis zu 600 Gramm und einer Flügelspannweite um 75 Zentimeter sind diese Tauben wahre Schwergewichte unter ihren Verwandten. Die im Winter gebildeten Schwärme lösen sich nach der Rückkehr ins Brutgebiet bald auf und jedes Paar besetzt ein Revier, welches mit Vehemenz verteidigt wird. Neben Balzflügen über dem Revier kommt es auch zu direkten Auseinandersetzungen mit Konkurrenten, bei denen nicht selten einige Federn gelassen werden. An besonders günstigen Nahrungsplätzen können sich aber auch im Sommer viele Ringeltauben friedlich zusammenfinden.
Beide Partner singen, Männchen häufiger als Weibchen. Er ist auch in der Pflicht, seiner Partnerin verschiedene Neststandorte anzubieten, von denen sie einen auswählt. Gegenseitiges Picken und Schnäbeln fördert die Partnerschaft.
Obwohl eine typische Waldart, erobern Ringeltauben zunehmend auch die Städte. Heute gehören sie dort schon zu den ganz gewöhnlichen Bewohnern von Grünanlagen und Hinterhöfen. Hier sind dann auch schon erste Gelege im Februar möglich. Menschliche Abfälle und wärmere Temperaturen im Inneren der Städte fördern die Vermehrung.
Im Wald beginnt die Brutzeit normalerweise erst im April. In Bäumen oder auch Sträuchern wird ein nicht gerade umfangreiches Nest aus Zweigen errichtet. Man möchte meinen, die Tauben hätten sich kaum mehr als einige Minuten Zeit zur Errichtung der Kinderstube gelassen. Tatsächlich allerdings erstreckt sich die Bauzeit über mehrere Tage. Das Männchen sammelt Zweige vom Boden auf oder bricht sie in den Bäumen ab, während das Weibchen für die Verankerung am zukünftigen Neststandort verantwortlich ist. Auf der mageren und ungepolsterten Unterlage werden meist zwei Eier abgelegt. Manchmal kann man sie durch die Ästchen hindurch vom Boden erkennen. Etwa 16 Tage später schlüpfen die Jungvögel.
Besonders bei den ersten Bruten im Jahr kommt es zu hohen Verlusten. Krähen, Katzen, Marder und Waschbären machen sich über Gelege und Jungvögel her. Aber auch menschliche Störungen nehmen Ringeltauben leicht übel und verlassen das Gelege. In der zweiten oder auch einer dritten Brut werden diese Verluste jedoch leicht wieder ausgeglichen, weshalb die Zahl der Ringeltauben in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Auch jährliche Abschusszahlen von fast 10 Millionen Individuen in ganz Europa konnten bisher den Bestand nicht gefährden.
Die Ringeltaube ist im Hainich überall zu finden. Eigene Untersuchungen erbrachten bis zu 30 Brutpaare pro 100 Hektar. Der namensgebende weiße Halsring und die weißen Flügelbinden sind typische Erkennungsmerkmale dieser Vogelart.

 

 

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