Einzelansicht

Ein buntes Huhn

Ornithologie vom

Es heißt ja eigentlich „wie ein bunter Hund“ - doch in diesem Fall bleibt es bei Huhn. Schließlich ist es auch bei weitem nicht so bekannt, wie der sprichwörtliche Vierbeiner.
Lange grüne Zehen, grüne Beine mit einem roten „Strumpfband“ oberhalb des Intertarsalgelenkes, weiße Flankenstreifen, eine gelbe Schnabelspitze und eine rote Stirn machen diesen Vogel zu einem ziemlich farbenfrohen Vertreter der Rallen. Jungvögel sind noch überwiegend braun und lassen die auffallende Schnabelzeichnung vermissen. Im landläufigen Sprachgebrauch werden die Rallen aufgrund ihrer hochbeinigen Gangart und des relativ langen Halses oft als Hühner bezeichnet.
Ganz im Gegensatz zu diesen sind Teichhühner sehr gute Schwimmer und verstehen es, sich mit ihren langen Zehen sicher und geschickt über Wasserpflanzenteppiche zu bewegen. Auch Fliegen ist kein Problem, wenngleich zunächst die Flucht vor Störungen durch Wegschleichen oder Über–das–Wasser–Rennen erfolgt.
Als Allesfresser nutzen Teichhühner im Jahresverlauf die unterschiedlichsten Futterangebote. Selbst Fleisch von toten Tieren kann in kargen Zeiten ausnahmsweise als Energiespender dienen. In der Regel besteht das Nahrungsspektrum jedoch aus pflanzlichen Bestandteilen, wie Blättern, Samen und Früchten von Wasserpflanzen, aber auch aus Algen und Obst. Die animalische Kost besteht z.B. aus Schnecken, Muscheln, Krebstieren, Spinnen oder Fischbrut.
Einen großen Teil des Tages verbringen die etwa taubengroßen Vögel an Land, wo ebenfalls Pflanzengesellschaften regelrecht abgeweidet werden. Dabei sind sie sehr aufmerksam und vorsichtig und flüchten bei Gefahr schnell ins Wasser, wo sie sich zudem geschickt im Pflanzengewirr verbergen können, bis die Gefahr vorüber ist.
Selbst in städtischen Parkanlagen, die auch Teichhühner als ganzjährig sichere „Versorgungsplätze“ erkannt haben, bleibt ein Teil dieser natürlichen Scheu erhalten. Dennoch verstehen sie es, mit Mut und Schnelligkeit manchen leckeren Weißbrothappen vor dem Schnabel der allgegenwärtigen Stockenten weg zu schnappen.
Das Auftreten der Art in Städten sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, das Lebensraumverluste, Gewässerausbau und Störungen in natürlichen Brutgebieten ab den 1970er Jahren zu drastischen Bestandsrückgängen von mehr als 50 Prozent geführt haben.
Das Nest der Teichralle – eine Anhäufung von Pflanzenmaterial aus der Umgebung – kann gut versteckt in der Ufervegetation, auf dem Wasser im Röhrichtsaum oder auch mal völlig frei an Wasserbauwerken stehen. Die oft zahlreichen Eier werden etwa drei Wochen von beiden Altvögel bebrütet, die sich später auch die Führung und Betreuung der 5 – 10 Jungen aufteilen.
Selbst im September können noch sehr junge Teichhühner angetroffen werden, da mehrere Jahresbruten erfolgen. Im Oktober lockern sich die familiären Bindungen und die Jungvögel gehen eigene Wege.
Unter günstigen Bedingungen überwintern diese Rallen am Brutort, können aber witterungsbedingt auch bis Frankreich oder Spanien abwandern.
Die Beobachtung von Teichhühner ist immer wieder ein Erlebnis, besonders während der Paarbildung und Revierverteidigung zeigen sie ein reiches Verhaltens- und Stimmeninventar.
Auch am Silbersee im Nationalpark ist diese schöne Vogelart zu beobachten.

Kontakt

Ansprechpartner_in

Cornelia Otto-Albers

0361/57 3914 008