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...dessen Augen vor Bosheit unheimlich funkelten...

Ornithologie vom

schrieb Dr. Carl Hennicke 1905 über einen lebend gefangenen Habicht.
Neben einer dem damaligen Kenntnisstand entsprechenden Beschreibung der Biologie dieses besonderen Greifvogels, ist der Text gespickt mit Bemerkungen über die Schädlichkeit und Heimtücke des Vogels. Am Ende steht deshalb auch der Rat, daß seine Verfolgung durchaus zu befürworten sei. Die intensiven Nachstellungen führten zwangsläufig zum starken Rückgang der Habichtbestände. Erst durch verstärkte Schutzbemühungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs ihre Zahl langsam wieder an.
Mehr als 100 Jahre später sind diese Ansichten leider immer noch nicht vollständig überwunden. Habichtbestände werden überschätzt und der Einfluß auf seine Beutetiere falsch beurteilt.
Der Habicht bevorzugt aufgelockerte Landschaften mit Wäldern, Feldgehölzen, Baumreihen und Siedlungen. Neuerdings werden auch Grünanlagen in Großstädten besiedelt, sofern entsprechende Nistmöglichkeiten vorhanden sind. Berlin, Hamburg und Köln sind vom Habicht „erobert“ worden, ebenso wie Moskau oder Riga. Der in der Brutzeit mit grünen Zweigen geschmückte Horst steht normalerweise auf einem alten, starken Baum und wird jahrelang genutzt.
Bereits im Herbst erfolgen Balzflüge über dem Brutrevier. Ab Februar halten sich die Partner regelmäßig am Horst auf und verteidigen dessen Umfeld gegen eindringende Artgenossen. Das Jagdgebiet kann weitaus größer sein und je nach Nahrungsangebot mehrere Dutzend Quadratkilometer umfassen. Nach einer rund 40 Tage dauernden Bebrütungszeit schlüpfen 1 – 4 Junge, die nach weiteren 40 Tagen das Nest verlassen. Sie werden insgesamt 2 – 3 Monate von den Eltern versorgt. Hierbei leistet das Männchen die Hauptarbeit. Unermüdlich schafft er Tauben, Eichelhäher, Drosseln und Stare heran, die dann vom Weibchen übernommen und in schnabelgerechten Stücken an die Jungvögel verteilt werden.
Unter den Säugetieren zählen Eichhörnchen zu den regelmäßigen Beutetieren.
Die Siedlungsdichte der Habichte ist nicht sehr hoch. Zwischen 2 und 6 Paare pro 100 km2 sind normal. Mäusebussarde erreichen beispielsweise Werte bis 100 Brutpaare pro 100 km2. Verwechslungen mit Mäusebussarden führen immer wieder zu falschen Vorstellungen über die Häufigkeit des Habichts.
Im Nationalpark Hainich brüten regelmäßig zwei Paare. In den mächtigen Buchen sind Horsthöhen von über 25 Metern keine Seltenheit und damit jedes Mal eine Herausforderung für den Kletterer, wenn Im Juni die Beringung der Jungen ansteht.

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