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Der Spezialist

Ornithologie vom

Zwei Vögel fliegen mit auffälligen kurzen, harten Rufen durch die Baumkronen entlang des Weges: „Gip-gip-gip, gip-gip-gip.“ Ihr Flug ist schnell und es bleibt fast keine Zeit, sie mit dem Fernglas einzufangen. Einer ist grünlich, der andere schimmert rot. Ihr Schnabel wirkt irgendwie unförmig. Es ist ein Pärchen Fichtenkreuzschnäbel. Die etwa 16cm großen Singvögel sind in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Aufgrund des geringen Nadelwaldanteils im Nationalpark zählen Fichtenkreuzschnäbel hier zu den seltenen Brutvögeln. Zudem sind Anwesenheit und Bruterfolg stark von Koniferensamen abhängig. Bei reichlichem Nahrungsangebot können die Reviere schon im Spätwinter besetzt werden. Bereits im Januar, zwischen Eis und Schnee, liegen dann bis zu fünf Eier im dick gepolsterten Nest. Die Auskleidung des Nestes scheint sogar der jeweiligen Witterung angepasst zu sein. Hier finden sich Moos, Flechten, Bast, Holzmulm, Federn und Haare. Während das Weibchen für den Nestbau verantwortlich ist, trägt er die Hauptlast bei der Jungenaufzucht.

Der gekreuzte Schnabel ist ein geniales Werkzeug um die Schuppen der noch geschlossenen Fichtenzapfen aufzuhebeln um dann mit der Zunge die versteckten Samen heraus zu angeln. Die Kreuzung der Schnabelhälften beginnt übrigens erst im Alter von 27 Tagen und kann in beiden Richtungen erfolgen.

In manchen Jahren kommt es zu großen Invasionen skandinavischer Kreuzschnäbel. Auch daraus können vorrübergehende Ansiedlungen resultieren.

Die besten Chancen Fichtenkreuzschnäbel zu beobachten, bieten sich auf einer Wanderung rund um die Thiemsburg bis zum Weberstedter Kreuz aber auch im Netzbornholz und am Burgberg. Hört man die Vögel rufen, sollte man in den oberen Kronenbereichen der Nadelbäume suchen.

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Ansprechpartner_in

Cornelia Otto-Albers

0361/57 3914 008