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Das Ende der Saison ?

Ornithologie vom

junger Baumfalke

Mit dem Giggern der Baumfalken über ihrem Revier ist der Schlussakkord des Brutvogeljahres gesetzt. Neben dem Wespenbussard und einigen Kleinvögeln ist er der letzte, der noch Junge zu versorgen hat. Aber auch diese sind schon voll befiedert und schauen ungeduldig von ihrem Nest in der Spitze einer dreißig Meter hohen Pappel hinter den Mehlschwalben her, die sich gerade zu großen "Fahrgemeinschaften" versammeln.

Im Wald ist es ruhig geworden. Zaunkönig und Mönchsgrasmücke versuchen noch eine letzte Strophe während Singdrosseln und Heckenbraunellen fast nur noch über einzelne kurze Lockrufe kommunizieren. Mancherorts regt sich außer dem steten Rascheln fallender Blätter kein Ton mehr.

Trauerschnäpper, Rotschwänze und Baumpieper durchstreifen die Gebüschflächen am Hainich. Die Richtung ist klar - südwärts! Eine schwere Saison liegt hinter ihnen: das Frühjahr zu kühl, der Regen heftig, manchmal ungewohnt stürmisch. Für viele ein erfolgloses Jahr.

Im Vergleich zu anderen - "normalen" - Jahren waren rund 30 Prozent weniger Vögel auf den Kontrollflächen im Nationalpark zu finden. Aber auch Wald -, Feld - und Rötelmäuse erreichten bis zum Sommer nur einen Bruchteil ihres üblichen Bestandes, sodass Bussarde und Turmfalken sich immer noch mit magerer Laufkäfer- und Heuschreckenkost durchschlagen müssen.

Für die Beerenfresser sieht es aber gar nicht so schlecht aus. Nach den Süßkirschen tragen nun auch die Ebereschen reichlich volle Trauben, die Tag für Tag an Farbe gewinnen und bereits jetzt die Aufmerksamkeit von Staren und Amseln auf sich ziehen. Mit den schwindenden Vogelklängen richtet sich die Hoffnung nun auf das kommende Jahr. Doch davor liegen bei vielen Arten Hunderte, wenn nicht Tausende Zugkilometer mit weiteren Gefahren: Fallen, Schlingen und Kugelhagel auf Malta, endlose Netzbarrieren in Ägypten und von Dürre gezeichnete Überwinterungsgebiete in Afrika.

Auch wenn es so scheint - das Vogeljahr endet nie.

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Cornelia Otto-Albers

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