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Austernfischer trifft Wildkatze

In den Hainichschulen begegnen sich die UNESCO-Welterbestätten Wattenmeer und Buchenwälder

Schüler der Patenwaldschule Rodeberg/Struth entdecken mit FöJ lerin Sophie Kilies die Vogelarten beider Weltnaturerbestätten

Wenn sich Austernfischer und Wildkatze guten Tag sagen, begegnen sich zwei deutsche UNESCO-Weltnaturerbestätten: Das Weltnaturerbe „Wattenmeer“ und das Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“. Mit personeller Unterstützung von der Insel Juist treffen beide Wappentiere nun in Schulen rings um den Hainich aufeinander.

Heike Gögelein ist Saisonmitarbeiterin im Nationalpark-Haus auf Juist im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und arbeitet dort in der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Von der schönen Nordseeinsel Juist ist sie in die Mitte Deutschlands gekommen, um ihre seit 2009 bestehende Welterbestätte in fünf Patenwaldschulen präsentieren zu können. Sie hatte den Nationalpark Hainich im Rahmen von Urlauben kennengelernt und ist begeistert von der Schönheit des Buchenwaldes.
In Kooperation mit den Kollegen aus dem Hainich entstand nun ein Bildungsprogramm, das sowohl das Wattenmeer wie auch den Buchenwald vorstellt.
Die Idee, diese beiden sehr unterschiedlichen und gleichzeitig so wertvollen Lebensräume als Weltnaturerbestätten zu vergleichen, findet die Kollegin aus dem Watt äußerst faszinierend und freut sich auf die Ausführung in den Schulen: „Ich finde es spannend zu zeigen, wie einzigartig diese zwei Weltnaturerbestätten auf ihre Weise sind. Auf dass die Faszination und die Liebe zu unserer Natur die Kinder genauso packt wie uns.“
In Kleingruppen werden die Schüler der Patenwaldschulen zunächst beide Welterbestätten, ihre Besonderheiten und Bewohner besser kennenlernen. Später geht es darum, verschiedene Aspekte der beiden Lebensräume mit allen Sinnen zu erfahren und zu unterscheiden. So soll die Bedeutung als Weltnaturerbe herausgestellt und den Kindern vor Ort nahegebracht werden.

Auch Lisa Mäder, Mitarbeiterin der Nationalparkverwaltung Hainich und dort speziell für die Vermittlung des Themas Welterbe im Rahmen der Umweltbildung zuständig, freut sich über das gemeinsame Projekt: „Das Wattenmeer ist ein besonderer dynamischer Lebensraum mit einer ganz speziellen Artenvielfalt. Beim Vergleich beider Lebensräume können die Kinder erfassen, wie kontrastreich und vielfältig unsere Natur ist und wie wichtig es ist, diese einmaligen Stätten zu bewahren.“
Das Welterbe-Programm ist gleichzeitig der Auftakt des diesjährigen Patenwaldprogrammes. Seit Juni 2007 engagieren sich 11 Schulen der Region freiwillig und ehrenamtlich im Nationalpark Hainich.


Manfred Großmann

Nationalparkleiter

Hintergrund:
In Deutschland gibt es drei UNESCO-Weltnaturerbestätten:
Die Fossilienfundstätte Grube Messel bei Darmstadt war die erste deutsche UNESCO Weltnaturerbestätte und wurde bereits 1995 in die Liste des Welterbes eingeschrieben.
Das Deutsch-Niederländische Wattenmeer wurde 2009 eingeschrieben, 2011 erweitert und 2014 um Flächen in Dänemark ergänzt. Es hat heute eine Gesamtfläche von 11.500 Quadratkilometern und umfasst in Deutschland die Nationalparke Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Hamburgisches Wattenmeer und Niedersächsisches Wattenmeer. Aufgrund seiner Größe und verschiedenen zusammenhängenden Lebensräumen ist das Gebiet von immensem Wert für rund 10.000 Tier- und Pflanzenarten, unter ihnen jährlich 10 bis 12 Millionen Zugvögel.
Als eines von insgesamt 15 Teilgebieten der Welterbestätte „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“ wurde ein zentrales Gebiet des Nationalparks Hainich von 1.573 Hektar am 25. Juni 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Weitere Flächen dieser Welterbestätte befinden sich im Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen, im Nationalpark Jasmund und im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern sowie im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg. Sie stellen die wertvollsten Reste großflächiger naturbelassener Buchenbestände in Deutschland dar und ergänzen die bereits seit 2007 existierende Welterbestätte in der Slowakischen Republik und der Ukraine.

Kontakt

Ansprechpartner_in

Cornelia Otto-Albers

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