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Alles wie immer, aber ganz anders

Ornithologie vom

Das Vogeljahr hat seinen Höhepunkt längst überschritten. Der Wald ist stumm. Regentropfen und Wind spielen auf den Blättern, Nebel versperrt immer öfter den Blick. Über Felder und Wiesen huschen kleine und größere Vogelschwärme auf dem unwiderstehlichen Weg nach Süden. Gemeinschaft macht stark.
Die längeren Nächte erobern zunehmend Waldkauz, Waldohreule und Uhu. Die letzten Grillen trotzen noch der empfindlichen Abkühlung.
Die Saison brachte neben Gewohntem auch manche Überraschung.
Einem ungewöhnlich milden Frühjahr konnten einige Vogelarten nicht recht trauen. Kolkraben, Waldkäuze und Turmfalken ließen es geruhsam angehen, vielleicht weil ein klares Startsignal des Frühlings fehlte.
Die Mäusebussarde, deren letztes Jahr von dauerndem Hunger bis in den Herbst geprägt war, nutzten den fast schneefreien Winter zur Auffüllung der Fettreserven und konnten bis zu drei Junge pro Paar aufziehen. Insgesamt blieb die Zahl der Brutpaare jedoch unterdurchschnittlich.
In den Habicht- und Sperberrevieren suchte man teils vergeblich nach besetzten Horsten, die wenigen Jungen waren recht spät dran.
Zu den häufiger anzutreffenden Vogelarten zählten 2014 scheinbar Turteltaube, Waldlaubsänger, Sumpfrohrsänger, Klappergrasmücke, Dorngrasmücke und Sommergoldhähnchen. Schwarzkehlchen bekam man seltener zu Gesicht. Weidenmeisen waren besonders zahlreich.
Neuntöter konnten glücklicherweise mit gutem Bruterfolg den drastischen Rückgang des Jahres 2013 etwas ausgleichen. Bis Ende August lärmten an vielen Stellen noch hungrige Jungvögel.
Eine Besonderheit stellten die noch im Hochsommer begonnenen Bruten der Waldohreule dar, die sicher auf den gleichzeitig einsetzenden Anstieg der Feldmauspopulation zurückzuführen waren. Auch wenn die Art im Nationalpark wohl regelmäßig brütet, gelingen direkte Brutnachweise oft nur zufällig. In einem alten Mäusebussardhorst unweit der Umweltbildungsstation bei Kammerforst hatte ein Paar seinen Einstand. Ende Juli schauten mindestens 3 Jungvögel über den Nestrand.
Zu den besonderen Gästen im Nationalpark zählte ein Großer Brachvogel, der Ende Juni einen Tag am Seegelsberg rastete.
Auch ein Schlagschwirl stattete dem Nationalpark bei Weberstedt im Juli einen kurzen Besuch ab. Ob diese Art im Nationalpark brütet, steht nicht sicher fest.
Zwei Fischadler-Beobachtungen Ende August zeigen den Durchzug dieser auf den Fischfang spezialisierten Greifvogelart, die dann auch in untypischen Biotopen erwartet werden kann.
Jede Jahreszeit hat ihren besonderen Reiz und ihre kleinen und großen Überraschungen. Mal sehen, was Herbst und Winter noch dazu beitragen können.

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Cornelia Otto-Albers

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