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Alles Pieper? Oder...

Ornithologie vom

Eine ganz besondere Vogelgruppe sind die Pieper, von denen Baum- und Wiesenpieper im Nationalpark Hainich regelmäßig zu beobachten sind. Nicht nur das ihre Namen immer wieder für ein Schmunzeln bei den Besuchern sorgen, auch die Bestimmung der verschiedenen Pieperarten ist selbst für Ornithologen nicht immer einfach. Zudem sind Brach- und Bergpieper in hiesigen Breiten als Gäste oder seltene Brutvögel zu erwarten.

Alle Arten sind mehr oder weniger bräunlich oder grünlich mit gestrichelter Brust und Flanken. Sie ähneln so auf den ersten Blick der allbekannten Feldlerche und kommen teilweise mit diesen gemeinsam im selben Biotop vor.

An Waldrändern und auf den ausgedehnten Offenflächen von Steinberg, Kindel und Weberstedter Trift ist der Gesang der Baumpieper unüberhörbar. Dazu wird je nach Laune, Wetter oder Tageszeit ein auffälliger Singflug gezeigt.

Nach der Ankunft im Brutrevier ab Ende März beginnt wenige Tage später die Besetzung der zukünftigen Brutreviere. Bis Ende April wird dann das napfförmige Nest aus Halmen und Blättchen am Boden, unter kleinen Büschen und Grasbülten vom Weibchen gebaut und schließlich bis zu sechs Eier darin abgelegt. Die kurze Brutzeit von 12-14 Tagen absolviert das Weibchen allein, während das Männchen in der Nähe wacht.

Bei Baumpiepern ist ein Verhalten zu beobachten, welches man üblicherweise von Sumpf- und Wasservögeln kennt: das Verleiten. Dabei stellt sich der vom Nest aufgescheuchte Vogel flügellahm und bietet sich dem potenziellen Räuber als leichte Beute an. Er lockt den Feind geschickt aus der Nestumgebung weg, bevor es zu einer „Spontanheilung“ kommt und der Altvogel munter davonfliegt.

Fuchs, Hermelin oder Waschbär gehen so leer aus.

Mit ihren recht langen Beinen können Baumpieper auch auf bewachsenem Untergrund sehr gut laufen. Die Nahrungssuche spielt sich dementsprechend überwiegend am Boden ab, wo Raupen, Heuschrecken und Spinnen erbeutet werden.

Ehemals war der Baumpieper ein regelmäßiger und häufiger Brutvogel in Mitteleuropa. Lebensraumverluste wie Grünlandumbruch, frühe Mahd, Aufgabe von Streuobstwiesen, Aufforstung von Heideflächen aber auch verstärkte menschliche Freizeitaktivitäten in potenziellen Habitaten führten zu teils drastischen Bestandsrückgängen bis hin zum Erlöschen lokaler Populationen. Extensiv beweidete Trockenrasen, Brachflächen und abwechslungsreich strukturierte Waldränder zählen deshalb zu den wichtigsten Rückzugsgebieten dieser Vogelart.

Ab August wird der Gesang der Baumpieper kaum noch zu hören sein, denn dann setzt der Wegzug Richtung Winterquartier in West- und Ostafrika ein.

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Cornelia Otto-Albers

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